Ferrand-Prévot und van der Poel triumphieren im Short Track

 Mit dem Short Track-Rennen auf dem 1,1 Kilometer langen Kurs am Fuße des Albstädter Bullentäles wurde die Weltcupsaison 2021 eröffnet. Mit Spannung erwartet, boten die weltbesten Fahrerinnen und Fahrer nach einer halbjährigen Pause einmal mehr spektakuläre Wettkämpfe.

Damen: Weltmeisterin Férrand-Prevot verhindert Überraschungscoup

Im Feld der Damen sorgte die Schweizerin Linda Indergand beinahe für einen Überraschungscoup und verpasste nur knapp ihren ersten Sieg in einem Short Track-World Cup. Nach einer zunächst verhaltenen Startphase mit engen Positionskämpfen an der Spitze des Feldes entschloss sich Indergand in der dritten von sechs zu fahrenden Runden zu einer Attacke, die den weiteren Verlauf des Rennens maßgeblich beeinflusste. „Als ich bei meinem letzten Short Track-Rennen im Rahmen der Mountainbike-Bundesliga (Anm. d. Red.: in Obergessertshausen) den Zug an der Spitze verpasste und im Stau feststeckte, ärgerte ich mich, dass ich nicht zuvor eine Attacke gewagt hatte. Das wollte ich dieses Mal ändern und entschloss mich spontan, es heute zu probieren“, so Indergand über ihren Angriff im Nachgang.

Das Favoritenfeld um die spätere Siegerin Pauline Ferrand-Prévot schien zunächst kein allzu großes Interesse zu besitzen die Lücke zur Schweizerin zu schließen. Zwischenzeitlich gewährte man Indergand bis zu 20 Sekunden Vorsprung, der jedoch in den letzten beiden Runden kontinuierlich schrumpfte. 

Mit einem beherzten Angriff aus dem Verfolgerfeld schaffte Pauline Ferrand-Prévot innerhalb kürzester Zeit den Anschluss an das Hinterrad von Indergand, sodass die beiden letztlich gemeinsam auf die Zielgerade einbogen. Mit den gesparten Körnern in der Verfolgergruppe konnte sich die Französin schließlich durchsetzen und konnte sich zum zweiten Mal in die Siegerliste eines Short Track-Weltcups eintragen. „Es war nicht unbedingt mein Ziel heute bereits zu gewinnen, umso glücklicher bin ich natürlich, dass es geklappt hat. Ich wollte vor allem Körner sparen für das Cross-Country-Rennen am Sonntag und habe mich häufig im Windschatten der anderen aufgehalten.“

 

Diesen Gedanken hatten vermutlich noch einige andere Fahrerinnen, sodass es lediglich für Ferrand-Prévot noch reichte die ausgerissene Linda Indergand einzuholen. Auf den dritten Platz sprintete etwas überraschend die Britin Annie Last, die aus der letzten Startreihe eine famose Aufholjagd bot: „Ich habe nicht damit gerechnet, so schnell nach vorne zu kommen. Es ist ein tolles Ergebnis für mich, das mich zusätzlich für das Cross-Country-Rennen am Sonntag motiviert. Ich möchte dort nochmals das Maximum herausholen“, so die Britin im Ziel.

Die beiden deutschen Starterinnen Ronja Eibl und Elisabeth Brandau, schafften unterdessen nicht so schnell wie Last den Sprung aus den hinteren Startreihen an die Spitze. Insbesondere Brandau hatte spürbar Probleme mit dem „Ziehharmonika-Effekt“, der sich durch die Antritte nach Engstellen im großen Fahrerfeld ergab. Sie belegte schließlich den 32. Rang.

Die Lokalmatadorin Ronja Eibl kämpfte lange Zeit um den Anschluss an die Spitzengruppe der absoluten Favoritinnen und war im Verfolgerfeld eine der aktivsten Fahrerinnen. Mit dem 19. Rang in ihrem ersten Short Track-Rennen überhaupt, war Eibl durchaus glücklich: „Ich hatte einen recht guten Start und konnte mich recht schnell im vorderen Feld platzieren. In der letzten Runde wurde ich leider von Emily Batty abgedrängt, sodass ich kurz vom Rad musste und noch drei Plätze verloren habe. Nichtsdestotrotz starte ich am Sonntag aus der dritten Reihe, was mich sehr positiv stimmt.“

Herren: Van der Poel unaufhaltsam zum sechsten Short Track-Sieg in Serie

Mit großer Spannung wurde in der Konkurrenz der Herren der Auftritt von Mathieu van der Poel erwartet. Der niederländische Top-Start stand zum ersten Mal seit 2019 wieder an einem Start eines MTB-Rennens. Und er enttäuschte keineswegs: Eindrucksvoll sicherte sich van der Poel den Sieg im Short Track zum Weltcupauftakt in Albstadt und setzte damit seine Siegesserie in dieser Disziplin fort. Alle sechs Wettkämpfe im kurzen 20-minütigen Rennformat, bei denen er in den letzten Jahren am Start stand, konnte er für sich entscheiden.

Bereits in der ersten Runde untermauerte van der Poel seine Favoritenstellung mit einer ersten Attacke: „Mein Ziel war es, das Feld an der Spitze zu verkleinern, sodass ich mit sechs, sieben Fahrern an der Spitze wegkomme und wir uns dort die Arbeit teilen. Es war klar, dass es immer wieder zu harten Positionskämpfen kommt, die ich eigentlich vermeiden wollte. Der Gegenwind auf der Zielgeraden war letztlich einfach zu stark, sodass niemand wirklich Vollgas fahren wollte.“

Verschiedene Attacken von van der Poel und anderen Fahrern verpufften, sodass bis zur letzten Runde eine große Spitzengruppe zusammenblieb. Dort blies van der Poel abermals zur Attacke, die keiner seiner Konkurrenten parieren konnte. Nino Schurter und der Franzose Victor Koretzky verblieben als einzige Fahrer in Reichweite, zu einem richtigen Sprintduell kam es aber letztlich nicht. Souverän sicherte sich der 26-Jährige schließlich den Sieg vor Koretzky, der auf der Zielgeraden noch Nino Schurter bezwang. „Ich habe mich heute sehr gut gefühlt und hoffe, dass ich auch am Sonntag vorne sein kann. Die Strecke ist sehr bergig, was mir nicht unbedingt liegt, aber ich werde mein Bestes versuchen“, so van der Poel über seinen Erfolg.

Auch Victor Koretzky und Nino Schurter zeigten sich angesichts ihrer Podestplätze sehr erfreut. „Es war heute wie ein Kriterium auf der Straße mit vielen taktischen Spielereien. Ich habe versucht, die ganze Zeit an der Spitze zu bleiben und so möglichst Körner zu sparen. Ich hatte am Ende etwas mehr Kraft übrig als manch andere Fahrer, sodass es mir aufs Podium gereicht hat“, so der Zweitplatzierte Koretzky. Für Nino Schurter stand im Hinblick auf das kommende Cross-Country-Rennen vor allem eine gute Startposition im Fokus: „Ich habe mich bewusst zurückgehalten und nicht versucht selber zu attackieren. Ich starte am Sonntag aus der ersten Startreihe, das war mein Hauptziel.“

Die beiden deutschen Starter Max Brandl und Manuel Fumic konnten sich mit den Positionen 19 und 23 für die dritte Startreihe am Sonntag qualifizieren. „Ich bin am Anfang nicht in mein Pedal gekommen und habe dadurch direkt einige Plätze verloren. Dann wollte ich mich, wie in den vergangenen Short Track-Rennen, Stück für Stück nach vorne arbeiten, was jedoch angesichts des starken Auseinanderbrechens des Feldes sehr schwierig war“, so der deutsche Meister Brandl. Nachdem er sich bereits unter die besten zwanzig Fahrer vorarbeiten konnte, verlor Brandl durch ein Gerangel mit anderen Fahrern wertvollen Boden und musste sich erneut vorkämpfen. „Ich bin nicht wirklich enttäuscht, aber zufrieden eigentlich auch nicht“, so die Bilanz des Freiburgers.

Ähnlich erging es auch Manuel Fumic, der mit einem Startplatz in der dritten Startreihe für das Cross-Country-Rennen zufrieden ist: „Es war sehr schwierig sich vorzuarbeiten, da es auf dem Singletrail im Wald immer wieder zu größeren Abständen durch den Ziehharmonika-Effekt kam. Ich konnte mich sehr gut an Max orientieren und mich so vorarbeiten.“ Da es am Sonntag sehr schnell sehr eng werde, sei eine gute Startposition Gold wert. „Ich möchte angreifen und auf alle Fälle noch weiter nach vorne kommen als heute.“

 

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